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01 | Was ist “Mobile”?

Mobile ist nicht einfach eine neue Geräteklasse oder eine besondere Art, das Internet zu nutzen. Mobile ist ein Paradigmenwechsel und eine Revolution. Mobile ist Lifestyle und Zukunft. Mobile ist Informationsrevolution und Alltagserleichterung, Kulturbooster und Freizeitvergnügen, Businessmodell und Wirtschaftsfaktor.

Was also ist Mobile im Einzelnen? Ein Smartphone gehört dazu, klar. Aber welche Geräte fallen ebenfalls unter die Definition “Mobile”? Mark Wächter, Vorsitzender der Fokusgruppe Mobile im BVDW und Autor von „Mobile Strategy“ (S. 13f), definiert Mobile so:

Was bedeutet “Mobile”?

Drahtloser Zugang zum Internet (Mobilfunk, WLAN oder sonstiges).
Ein sich bewegender Bildschirm, der (nahe am Körper) getragen werden kann oder der sich in einem beweglichen Vehikel fest befindet.
Mit dem Smartphone kommunizierende Erweiterungen: Armbänder, Brillen, Uhren und andere Wearables, bei denen das Smartphone als Hub dient.
Ausstattung mit einem für Mobilgeräte optimierten oder programmierten Betriebssystem.
Definition von Mark Wächter, Vorsitzender der Fokusgruppe Mobile im BVDW und Autor von „Mobile Strategy“ (S. 13f)

Mobile ist mehr als eine Geräteklasse, eine Art der Nutzung oder eine Zugangsform, es ist ein Paradigmenwechsel in der Internetnutzung und der nächste Entwicklungsschritt in der digitalen Evolution.

Daniel Rieber, Mobile Marketing, S. 3

Mobile ist die am schnellsten wachsende Technologie, die die Welt jemals erlebt hat.
Damit einher geht, dass Mobile der größte Technologie-Treiber von sozialem und ökologischem Wandel ist.

Mark Wächter, Mobile Strategy, S. 15

Millennials regularly draw ire for their cell phone usage. They’re mobile natives, having come of age when landlines were well on their way out and payphones had gone the way of dinosaurs.

Chelsea Clinton

Der neue First Screen

Smartphones sind ein Massenmedium wie klassische Medien auch, sagt Daniel Reber, Autor von Mobile Marketing. “Für viele seiner Nutzer ist das Smartphone heute der First Screen, also das digitale Endgerät, das sie für den Großteil der Aufgaben als erstes nutzen.” (Rieber, S.5). Was nahe liegt: Das Smartphone ist praktisch immer griffbereit und überall dabei.

Wer beispielsweise wissen möchte, wie das Wetter wird, wird sehr wahrscheinlich eher sein Smartphone zur Hand nehmen, als auf die Wettervorhersage im Fernsehen zu warten, eine Zeitung zu kaufen oder den Computer hochzufahren.

Daniel Rieber

Ein Zitat, das für Millennials wie ein Anachronismus klingt – selbstverständlich ist das Smartphone das schnellste, komfortabelste und ubiquitärste Medium unserer Zeit – klein, kompakt, einfach zu bedienen. Es hilft uns sogar “hands free” – wir können mit ihm sprechen… Für viele Menschen hat das Smartphone sogar den PC komplett ersetzt. Diese Mobile-Only-User sind Nutzerinnen und Nutzer, die alle relevanten Aufgaben ausschließlich mit dem Handy erledigen – inklusive Schreiben und Ausdrucken von Dokumenten. Weil das kleine Gerät nicht nur ubiquitär, sondern auch versatil und im Vergleich günstiger und sparsamer als ein PC ist, ist es das perfekte Gerät für die Digitalisierung Afrikas und Lateinamerikas!

Selbstverständlich kann ein Smartphone auch in Teilen deutlich mehr als ein klassischer PC. Der Grund ist – neben der mobilen Verfügbarkeit – die hohe Anzahl an Sensoren, die von vielen tausend Apps genutzt werden können und mit denen eine atemberaubend lange Liste an Diensten und Angeboten möglich wird.

Sensoren

Das Smartphone ist ein digitales Schweizer Taschenmesser. Lifewire hat eine aktuelle Liste der Sensoren, die im iPhone verbaut sind.

  • Es kann die Temperatur messen, den Luftdruck, die Feuchtigkeit und die Helligkeit in der Umgebung.
  • Es weiß exakt, wo es sich befindet, kann navigieren und Bewegungen, Drehungen und Beschleunigungen messen.
  • Es kann den Puls messen, den Fingerabdruck scannen und Gesichter erkennen.
  • Es hat einen Näherungssensor, der erkennt, wie nahe sich das Gerät am Ohr oder vor dem Gesicht befindet.
  • Es hat mehrere Kameras, die ihrerseits als Sensoren dienen und neben der Gesichts- und Objekterkennung auch QR- und Barcodes Codes erkennen und sogar ganze Dokumente scannen können.
  • Es ist die persönliche Geldbörse und Brieftasche, mobiler Ticketautomat und Personalausweis.
  • Es ist selbstverständlich ein Funkgerät, das sich über das Mobilfunknetz, über Wifi (Wlan) und Bluetooth mit dem Internet, mit anderen Geräten und damit auch mit anderen Menschen koppeln und verbinden kann. Und es empfängt Radio- und evtl. TV-Signale.

Die Sensoren machen das Gerät zu einem kleinen, energieeffizienten Alleskönner, der gerade jetzt in der Coronakrise sogar zwei nützliche Funktionen übernimmt: Über Bluetooth-Verbindungen trackt das Smartphone, welche Personen sich wann begegnet sind und kann bei positiven Covid-Befunden eines Users diese Personen warnen – und sie evtl. automatisch krankschreiben. Und über die Vitalsensoren sammelt das Robert-Koch-Institut Körperdaten, aus denen die Wissenschaftler anonymisiert Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung und eventuelle Infektionsherde ziehen können – schneller als bisher, umfassender als bisher und theoretisch bis zum einzelnen User zurück verfolgbar (auch wenn dieser anonym bleiben soll).

Kurze Geschichte von Mobile

Wir stecken mitten in der Entwicklung einer noch sehr jungen Branche. Ein kleiner Rückblick zeigt, wie jung die Entwicklung ist.
Ich bin nur wenige Tage älter als das Mobiltelefon. Am 3. April 1973 hat Martin Cooper das Mobiltelefon erfunden.

Discovery – First Cell Phone Call
Meet the Inventor of the First Cell Phone.
  • Bis zum ersten iPhone 2007 vergeht also einige Zeit. Aus dem analogen Mobilfunk muss erst ein digitales Netz werden. Die ersten tragbaren Mobiltelefone gibt es seit Beginn der 1980er Jahre.
  • Erstes Smartphone 1992. IBM denkt über viele weitere Funktionen nach, die solch ein Mobiltelefon haben könnte. Warum nicht einen tragbaren Computer bauen: E-Mails versenden, Faxe verschicken, Adressbuch und Kalender verwalten, Spiele spielen? Und das alles über einen Touchscreen nutzen: der IBM Simon!
  • Erster Communicator 1996. Nokia bringt den „Nokia 9000 Communicator“ auf den Markt: einen Mini-Computer inklusive Mobiltelefon. Mit HTML-fähigem Browser, Intel 386er-Prozessor, acht MB RAM. Das Gehäuse wurde seitlich aufgeklappt, auuf dem Deckel befand sich das LCD, auf der Unterschale die QWERTZ-Tastatur.
  • Die Antenne verschwindet 1998: Erstes Handy ohne außenstehende Antenne erscheint. Erstmals wurde die Antenne vollständig ins Gehäuse integriert. Design wird typisch für einige Nokia-Handys.
  • Die erste Kamera 1999: Das Toshiba Camesse konnte nur telefonieren. Aber: Es verfügte über eine eingebaute Digitalkamera und startete den Trend. Drei Jahre später begannen auch andere Hersteller, ebenfalls Kameras zu verbauen. Allerdings mit fragwürdiger Bildqualität. Erst das Sharp GX30 hatte 2004 eine 1-Megapixel-Kamera.
  • Das erste WAP-fähige Handy 1999: WAP (Wireless Application Protocol) war damals ein riesiger Hype: Internet auf dem Mobiltelefon via WAP! Webseiten wurden zusätzlich im WAP-Format angeboten – klein, schmal, schlank. Aber: WAP scheiterte kläglich. Frage: Warum?
  • Der erste Musicplayer 2001: Siemens bringt erstes Handy mit integriertem MP3-Player. Die Musik konnte auf einer wechselbaren MMC-Speicherkarte abgelegt werden. Erstmals konnten Nutzerinnen und Nutzer „eigene“ Musik auf dem Mobilgerät anhören. Bislang gab es nur einen Radioempfang für Handys.
  • Das erste Blackberry 2002: Die Firma „Research in Motion“ bietet Geräte für das mobile Büro an. Vollwertige QWERTZ-Tastatur, besonderer Push-Maildienst mit Zugriff auf das „Büro-Outlook“. Blackberry wurde zum nahezu unverzichtbaren Accessoire für Business-Leute.
  • Das erste Video-Handy 2003: Smartphones mit Kamera sind schon Standard – aber Videos noch nicht. Nun kommt das erste Smartphone mit einer Videofunktion. Okay, wenige Minuten in schlechter Qualität – aber: Es geht los!
  • Das erste UMTS-Phone 2004: Erstmals kann man sinnvoll unterwegs surfen. In UMTS-Netzen kann eine Funk-Frequenz von mehreren Anwendern gleichzeitig genutzt werden, so dass für jeden Kunden eine höhere Datenübertragungsrate zur Verfügung steht.
  • Das erste GPS-Phone 2005: Nun kann man mit dem Handy seinen Standort ermitteln. Im Siemens SXG75 war erstmals ein GPS-Empfänger eingebaut. Mit GPS lässt sich die eigene Position bis auf wenige Meter genau bestimmen. Nun waren Navigations-Funktionen und Proximity-Services technisch möglich.
  • Das erste iPhone 2007: Der Computerhersteller Apple bringt sein erstes Smartphone auf den Markt. Der Clou liegt nicht so sehr in den Hardware-Komponenten. Der Clou liegt im Betriebssystem iOS. Erstmals gibt es ein echtes „Smartphone“. Ein Gerät, das alle Komponenten sinnvoll und „seamlessly“ verbindet.

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